kulTour de France – So wars!

Eine knappe Woche konnten wir in Lyon und Marseille rumstromern, spannende Einrichtungen aus den Bereichen Kultur/Jugend/Politik/Soziales besuchen und viele tolle Menschen kennen lernen. Unser Anliegen dabei war zu sehen, wie sich Jugendkulturarbeit mit politischer Bildung verknüpfen lässt.

Lyon haben wir durch eine tolle inszenierte Stadtführung erkundet. Wir haben mit Marc Villarubias gesprochen, der für die Stadt Lyon für ein Programm zur kulturellen Stadtentwicklung und Vernetzung aller Kulturebenen zuständig ist, mit dem Ziel, eine nachhaltige Weiterentwicklung der Stadt zu schaffen. Den spektakulären Zirkus „Cirkus Cirkör“ haben wir im Maison de la Danse gesehen. Das Programm war atemberaubend, und das Thema passte ganz wunderbar zu unserer Studienfahrt. Denn der Zirkus (kulturelle Bildung) hatte Flucht, Ausgrenzung, Migration, Rassismus (politische Bildung) zum Thema. Bei der „Platforme franco-allemande pour la jeune création“ trafen wir auf engagierte Frauen, die Workshops (Theater, Tanz, Zirkus etc.) für junge europäische Künstler/innen organisieren. Der Verein wird vom Deutsch-Französischen Jugendwerk gefördert, das auch unsere Reise unterstützt hat. Viele Projekte haben „Europa“ zum Thema. Es geht dabei um Kulturdialog und Offenheit; darum, über die Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinauszugehen. Politische Themen werden hier ganz gekonnt durch Kunst und Kultur angesprochen und spielerisch erarbeitet. Das Puppentheater „Les animaux malades de la haine“ der „Theatre Company LE FANAL“ zeigte uns, wie man für Kinder mit dem Medium der Fabeln einen leichten Zugang zu den Themen Rassismus, Religiöse Diskriminierung und Radikalisierung schafft. An einem Nachmittag wurden wir auch selbst aktiv, indem wir an einem Tanz- und einem Theaterworkshop teilnahmen. Beide haben ausgesprochen Spaß gemacht und uns simple Übungen mit an die Hand gegeben, die wir mitnehmen konnten.

In Marseille war das Kulturzentrum „La Friche la Belle de Mai“ unsere Basis. Dieser tolle Ort ist in einer alten Tabakfabrik untergebracht und bietet außerordentlich viel Platz für Kreativität. Rund 70 Organisationen nutzen dort die Räume. Es gibt einen Sportplatz, Spielplatz, Restaurant, 5 Konzert-/Veranstaltungssäle, community-Garten, Buchladen, Kindertagesstätte, FabLab und MediaLab, 2400m² Ausstellungsfläche, 8000m² Dachterrasse für Events.

Von der Kulturbeauftragten erfuhren wir, dass La Friche offen für alle ist und an 365 Tage im Jahr geöffnet hat. Für Jugendliche ist die Teilnahme an Projekten immer freiwillig. Es gibt diverse Sportmöglichkeiten auf dem Gelände (Basketball, Skatepark, Tanzangebote), 4 Mediator/innen (Ansprechpartner/innen und „Brücke“ zu anderen Künstler/innen), 4 Mitarbeiter/innen für den Jugendbereich. Ziel ist, Jugendliche an die Vereine und Initiativen in La Friche heranzuführen, zwischen Künstler/innen und Jugendlichen zu vermitteln, Jugendliche zu motivieren, die vielen verschiedenen Möglichkeiten in La Friche zu nutzen, und bestenfalls selbst mit Ideen zu kommen, die in La Friche verwirklicht werden könnten. Ein toller Ort.

Joël Contis, der Geschäftsführer von Léo Lagrange Méditerranée (unsere Partnerorganisation bei der Reise) erzählte uns einiges über die Organisation und die Strukturen in Frankreich allgemein. Léo Lagrange verfolgt das Ziel, bedürfnisorientiert zu arbeiten, gegen Formen der Diskriminierung anzukämpfen und die Bürgeremanzipation voranzutreiben. Wir kamen mit weiteren Mitarbeiter/innen von Léo Lagrange ins Gespräch und schmiedeten Pläne der Zusammenarbeit für die Zukunft. Von Jérome Leyssard erhielten wir einen ausführlichen Einblick in das französische System des Laizismus und den Workshop „Démocratie & Courage“. Er zeigte uns die von ihnen entwickelten Spiele zu Laizismus und politscher Bildung, mit denen sie an Schulen gehen, um aufzuklären und Rassismus entgegenzuwirken.

Wir haben auch 2 Sozialzentren von Léo Lagrange besucht, mit den Leuten vor Ort gesprochen und viel über Frankreich und Jugendarbeit erfahren.

Eine Stadtführung zum Thema Street Art zeigte uns Marseille von einer spannenden subkulturellen Seite. Der Besuch von „La Cité des Arts de la Rue“ schlug uns am Ende noch in seinen Bann: Ein riesiges Areal, wo es allerhand zu schauen und staunen gab. Kunstwerke wohin das Auge reichte, und große Werkstätten. Während wir dort waren, fand gerade ein Schweiß-Kurs für Frauen statt. Diese kamen aus dem benachbarten, relativ armen Viertel selbstständig auf La Cité zu, da sie gerne einen so schweren Tisch für ihr Sozialzentrum bauen wollten, dass er nicht geklaut werden konnte. Unter Anleitung konnten die Frauen dann dort ihren Tisch zusammenschweißen. La Cité ist also nicht nur ein Ort für Künstler/innen, sondern holt auch die Nachbarschaft mit ins Boot, stellt Veranstaltungen auf die Beine, fördert es aber auch, dass Leute mit Ideen zu ihnen kommen. Ein toller Ort und ein toller Abschluss einer spannenden Fahrt!

 

Gefördert vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW)

ofaj-dfjw Logo_