Dieses Thema war Gegenstand unseres Formats „Jugendarbeit lebt!“ – unserem (fast) monatlich stattfindenden Online-Impulsformat zu jugendarbeitsspezifischen Themen. Mit eingeladenen Expert*innen beleuchten wir aktuelle Herausforderungen und geben neue Ideen sowie Reflexionsimpulse für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V. statt.
Die Manosphere ist ein loses digitales Netzwerk misogyner und antifeministischer Strömungen, das junge Männer zunehmend in extremistische Weltbilder zieht. Gemeinsam ist diesen Gruppen die Ablehnung von Geschlechtergleichheit und die Glorifizierung einer reaktionären „Alpha-Männlichkeit“.
Die wichtigsten Strömungen innerhalb der Manosphere sind Men’s-Rights Activists (MRA), MGTOW (Men Going Their Own Way), Incels und Pick-Up-Artists. Sie alle verbindet die Abwertung von Frauen und ein tief verwurzelter Antifeminismus. MRA kämpfen gegen eine vermeintliche Unterdrückung von Männern und betreiben dabei Täter-Opfer-Umkehr, die sich häufig in Hetze gegen Frauen und Feminist*innen äußert. MGTOW propagieren die vollständige Abkehr von Frauen und einer aus ihrer Sicht „feministisch dominierten Gesellschaft“. Incels, meist junge Männer, die unter unfreiwilliger Sexlosigkeit leiden, machen Frauen und den Feminismus dafür verantwortlich und reklamieren einen natürlichen Anspruch auf Sex. Pick-Up-Artists wiederum setzen auf manipulative Verführungstechniken, glorifizieren eine dominante „Alpha-Männlichkeit“ und legitimieren bei ausbleibendem Erfolg sogar häufig Gewalt.
Zentrale Ideologien wie die „Red Pill“ und „Black Pill“ versprechen jungen Männern ein „Erwachen“ aus einer angeblich feministisch dominierten Gesellschaft. Besonders die Black-Pill-Ideologie der Incel-Bewegung mündet häufig in tiefem Frauenhass und kann zu realer Gewalt führen, wie das Attentat in Halle 2019 zeigt.
Sogenannte „Manfluencer“ wie Andrew Tate oder Coach Aaron fungieren als Einstiegspunkt: Unter dem Deckmantel von Fitness- oder Finanztipps verbreiten sie frauenfeindliche Inhalte, die durch Social-Media-Algorithmen gezielt verstärkt werden. Anstatt gegen gesellschaftliche Erwartungen zu rebellieren, versprechen sie Erfolg durch die bedingungslose Erfüllung patriarchaler Normen.
Die Übergänge zur rechtsextremen Szene sind dabei fließend.
Was können wir tun? Gefragt sind Medienkompetenz, geschlechterreflektierende Jugendarbeit und das aktive Anbieten alternativer Männlichkeitsbilder.
Die Manosphere radikalisiert bestehende gesellschaftliche Sexismen und dient als Schnittstelle zu rechtsextremen Weltbildern und das erfordert unsere verstärkte pädagogische Aufmerksamkeit.
Linktipps
Podcast „Taking the Red Pill“ der Bundeszentrale politische Bildung
Rise – Plattform für Jugendkultur, Medienbildung und Demokratie