Ein Interview mit Livia Josephine Kerp

Zu ihrem Politik-Magazin  „Politik – getarnt als Unterhaltung“

 

Livia Josephine ist 19 Jahre alt und macht dieses Jahr Abitur. Sie interessiert und engagiert sich seit einigen Jahren für Jugendpolitische Themen und hat selbst schon viele Interviews geführt. Deshalb haben wir mal nachgefragt:

www.liviajosephine.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo Livia! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Du machst dein Politik Magazin jetzt schon einige Jahre und hast neben der Schule sogar noch ein Buch geschrieben.

Was hat dich dazu bewegt, einen politischen Blog zu machen? Das ist ja nicht unbedingt ein ganz typisches Interesse in deinem Alter?

Livia: Das ist richtig. Es begann im August 2015, als ich mit 13 Jahren mit meinen Eltern am Münchner Hauptbahnhof war. Eigentlich wollten wir nur eine Abkürzung nehmen und dafür einfach nur schnell durch den Hauptbahnhof gehen. Aber wir kamen nicht durch, weil Hunderte Geflüchtete aus Syrien am Bahnhof ankamen und sehr viele Münchner die geflüchteten Menschen begrüßten. Ich sah also live, wie es aussieht, wenn Menschen vor Krieg und Tod flüchten müssen. Das einzige was diesen Familien bei der Flucht noch blieb, hatte in einer Plastiktüte Platz. Hier wurde mir das erste Mal bewusst, dass das Leben nicht nur rosarot ist. Und mit diesem Gefühl und den Bildern war ich als so junger Mensch total überfordert. Mir hat es damals geholfen, meine Gefühle des Erlebten und meine Gedanken dazu aufzuschreiben. Dieser Text war der Beginn einer neuen „Liebe“. Denn seitdem gehört Politik zu meinem Leben.

 

Was möchtest du mit deinem Blog erreichen?

Livia: Seit ich meinen ersten Text geschrieben habe, wurde mir immer mehr bewusst, dass die Berichterstattung über politische Themen nicht jugendgerecht genug waren, so dass junge Menschen auch Lust dazu haben, es zu lesen. Man darf nicht glauben, dass Politik langweilig wäre. So ist es nämlich nicht. Das Problem ist, dass halt die Berichterstattung darüber einfach zu langweilig ist. Das wollte ich ändern. Ich wollte politische Information unterhaltsam machen. Die Politiker und deren Politik so darstellen, dass es auch Spaß macht, es zu lesen und trotzdem so viel Information wie möglich darin zu verpacken. Deshalb habe ich mich auch mit Künstlern aus der Musik oder der Schauspielerei getroffen, um über jugendpolitische Themen zu reden oder ich habe mit Cartoonisten gezeichnete Interviews gemacht, um so noch mehr Humor in diese Themen zu bekommen.  Aber das Wichtigste ist für mich, so viel an Information bereitzustellen, dass sich jeder junge Mensch seine eigene unvoreingenommene Meinung bilden kann. Denn ich finde es wahnsinnig wichtig, unterscheiden zu können, was Parolen oder Fake-News sind und was die tatsächliche Realität ist. Deshalb habe ich jetzt auch ein Sachbuch darüber geschrieben, das im Sommer veröffentlicht wird. Denn gerade Corona hat gezeigt, wie viel Macht die Politik wirklich hat. Und deshalb, glaube ich, sollte man viel mehr über die Menschen wissen, die diese Macht haben.

 

Wo siehst du dich in 5 Jahren?

Livia: Ich würde auf alle Fälle gerne weiterhin Bücher schreiben. Aber grundsätzlich sehe ich meine Zukunft im Medienbereich.  Ich hatte ja auch schon ein Praktikum bei München TV. Mal sehen was kommt 😉

 

Du interviewst viele bekannte Personen, die sich ganz unterschiedlich mit Politik beschäftigen. Welches Interview hat dir bisher am meisten Spaß gemacht und warum?

Livia: Da gab es ehrlich gesagt einige. Zum Beispiel das Interview mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, das ich in einem Café geführt habe. Denn das war in meiner Mittagspause in der Nähe meiner damaligen Schule. Das Problem war, dass wir uns verquatscht hatten und so die Zeit vergaßen. Ich hatte dann nur noch 5 Minuten bis zum Unterrichtsbeginn und so hat mir Herr Wulff einfach seinen Fahrer zur Verfügung gestellt und der hat mich dann gerade noch pünktlich mit dem Dienstwagen zur Schule gefahren. Das war schon richtig cool 😉

 

Was können wir Erwachsene von eurer Generation lernen?

Livia: Ich glaube nicht, dass es da etwas zu lernen gibt. Es geht mir eher um mehr gegenseitiges Verständnis.

 

Für junge Menschen ist es momentan nicht leicht. Viele Maßnahmen bremsen den natürlichen Lauf dieser Lebensphase ein. Ihr macht das aber trotzdem, um besonders auch ältere Menschen zu schützen. Was glaubst du? Wird die Corona-Pandemie für euch junge Menschen nachhaltig verändern?

Livia: Das ist ganz schwer zu sagen. Ich glaube die meisten Schüler haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Bildungspolitik muss nicht nur im Punkt Digitalisierung neu aufgestellt werden. Besonders in der Bildung darf es keinen Unterschied zwischen arm und reich geben. Auch wenn es die Politik da oft anders sieht, dieser Unterschied ist trotzdem Realität und das muss sich endlich ändern. Ich hoffe zumindest, dass sich dahingehend etwas in der näheren Zukunft verändern wird, denn das würde der jungen Generation absolut helfen. Ich glaube, für uns Jugendliche hat Corona vor allem gezeigt, dass ein freies Leben nicht selbstverständlich ist und man dadurch auch dankbarer wird in welcher freien Welt wir in Deutschland leben dürfen. Ich glaube, jeder einzelne Jugendliche hat seine eigenen Erfahrungen gemacht. Deshalb wird es auch jeden Einzelnen anders verändern. Klar ist aber, dass sich in meiner Generation etwas verändern wird.

 

Was hättest du dir im letzten Jahr von der Politik gewünscht?

Livia: Da sage ich nur drei Stichpunkte: Digitalisierung der Schulen, sinnvolle Klimapolitik, Wahlrecht ab 16 Jahren!

 

Was würdest du dir persönlich für dieses Jahr wünschen?

Livia: Ich würde mir wünschen, dass mein jugendpolitisches Buch vielen Jugendlichen helfen wird, sich besser in der Welt der Politik auszukennen. Und sie motiviert, sich für politische Veränderung einzusetzen und zwar mit den Mitteln, die uns die Demokratie zur Verfügung stellt, denn da gibt es viel mehr Möglichkeiten als man denkt.

Vielen Dank für deine Zeit und Offenheit! Wir wünschen dir für dein Abitur und natürlich für deine Zukunft ganz viel Erfolg und hoffen, dass wir noch viel von dir hören ;-).

 

Das Buch von Livia Josephine Kerp kommt voraussichtlich im August auf den Markt. Es richtet sich vor allem an Jugendliche von 14 bis 18 Jahre und wird im Dressler Verlag/ Verlagsgruppe Oetinger erscheinen. Bis dahin können wir euch einen Blick in Livias Magazin empfehlen: www.liviajosephine.de